Pimp Your Kitchen – Interview!

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Die Küche ist seit Jahrhunderten Herz jedes Hauses, Mittelpunkt jeder Party und Treffpunkt für Groß und Klein – egal ob frühmorgens zum ersten Kaffee bzw. Kakao oder spät in der Nacht beim heimlichen Gang zum Kühlschrank. Auf der Frage nach seinem Lieblingsraum antwortet jeder dritte Deutsche „die Küche“.

Heute hat jeder fünfte Haushalt eine offene Küche, Tendenz steigend – denn in bestehenden Wohnungen und Häusern ist es natürlich sehr aufwendig, Wände einzureißen, um die Küche wohnlicher zu machen. Kaum eine Neubauwohnung hat heute noch eine geschlossene Küche, denn das Erlebnis des Kochens soll nicht mehr nur auf den Koch reduziert werden, sondern auch für die Gäste zum Event werden.

High-Tech und Luxusmöbel

Der neueste Trend in Sachen Herd heißt Vollflächeninduktionsfeld: Dabei kann man die Töpfe frei platzieren, die Erhitzung bleibt dank Mikroinduktoren bestehen. Doch wer kocht heute schon noch auf dem Herd? Der wahre Trendsetter setzt auf den Multidampfgarer, der die Nahrung gesund und schonend gart und Vitamine erhält. Grillfans kommen indoor mit dem „Teppan Yaki“ voll auf ihre Kosten: Die glatte Fläche des japanischen Edelstahlgrills wird durch Induktionstechnologie beheizt und eignet sich zur Zubereitung von Gemüse, Fleisch, Fisch und sogar Süßspeisen. In den Kühlschränken sorgen 0-Grad-Fächer für längere Haltbarkeit frischer Lebensmittel, aus den neuen Heißwasser-Küchenarmaturen kommt dagegen kochendes Wasser, mit dem man ganz fix einen Tee zubereiten kann.

Vorbei sind die Zeiten von Klappstühlen und Minitischen: Der Trend geht zu immer schickeren Küchenmöbeln. Inzwischen gibt es sogar Küchenzeilen, die in Sitzecken enden, Designerstühle stehen neben der Arbeitsplatte, die schnell mal zum schicken Esstisch umfunktioniert werden kann. Auch der Übergang vom Esszimmer zur Küche wird immer fließender. Man erkennt das daran, dass es inzwischen aufeinander abgestimmte Küchen- und Esszimmermöbel gibt und die Küchenfarben in letzter Zeit „wohnlicher“ geworden sind: Curry oder leuchtendes Blau hat man seit den 70er Jahren nicht mehr in Küchen gesehen – jetzt sind sie wieder da und ergeben eine perfekte Symbiose zum angrenzenden Wohnraum.

Die typische Küchenoptik verschwindet

In den modernen Erlebnis- und Genussküchen stören herumstehende Geräte nur das Erscheinungsbild. Daher verschwinden sie immer häufiger hinter Rollos und Klappen, und auch die typische Dreiteilungs-Optik aus Oberschrank, Fliesen und Unterschrank ist passé.

Viele Regale und Schränke sind heute direkt auf die Küchenplatte aufgesetzt, Elektrogeräte verschwinden per Knopfdruck hinter Lamellenrollos und selbst Dunstabzugshauben können auf Kochinseln heute nach Gebrauch senkrecht in der Arbeitsplatte versenkt werden (sogenannte Downdraft-Hauben).

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Interview mit Gaby Fromm, Innenarchitektin, Raumfabrik Wuppertal

livingpress: Frau Fromm, was ist das Wichtigste bei der Kücheneinrichtung?

Frau Gaby Fromm: Dass die Küchengestaltung den Funktionsabläufen des Kochens gerecht wird und keine unnötigen Wege entstehen. Ausreichende Flächen neben Spüle und Herd sowie größere Arbeitsflächen zum Vorbereiten und Servieren sind besonders wichtig.

livingpress: Worin unterscheiden sich moderne Küchen zu denen vor ca. 30 Jahren?

Frau Gaby Fromm: Vor 30 Jahren gab es so gut wie keine offenen Küchen. In der abgeschlossenen Küche kochte die “Hausfrau” noch weitestgehend frisch und täglich. Es gab kaum Mikrowellengeräte und Tiefkühlkost. Heute sind sehr viele Küchen offen mit dem Wohnraum verbunden. Das Aussehen ist häufig wichtiger als die Funktionalität. Es wird nicht mehr täglich gekocht, die Mikrowelle ist wichtiger Bestandteil für alle Familienmitglieder, da gemeinsame Mahlzeiten nicht mehr selbstverständlich sind.

livingpress: Was sind aktuelle Trends bei Küchen?

Frau Gaby Fromm: Dass die Küchenmöbel immer mehr den Wohnraummöbeln ähneln. Die Türen haben verdeckte Griffleisten, ausgefallene oder erlesene Fronten, so dass durchaus ein Sideboardcharakter entsteht. Aber auch der neue Landhausstil hält Einzug.

livingpress: Lohnt es sich, eine Küche beim Tischler fertigen zu lassen?

Frau Gaby Fromm: Bei einer Küche vom Tischler kann man jedes Detail selbst bestimmen und ist nicht vom Standardprogramm eines Herstellers abhängig. Im Vergleich zu den sehr hochwertigen Küchen eines Herstellers kann die Küche des Tischlers durchaus attraktiv sein, sowohl preislich als auch individuell.

livingpress: Mit welchen Möglichkeiten kann man seine Küche aufwerten oder verändern?

Frau Gaby Fromm: Sind die vorhandenen Küchenkorpusse in einem guten Zustand, kann man die Fronten mit einem neuen Farbton versehen oder mit Glastüren satiniert oder Glanzglas ausstatten, mit Möbeleinbauleuchten Licht ins Innere bringen – und schon hat man eine komplett neue Optik.

livingpress: Welches ist Ihr persönliches Lieblingsküchengerät bzw. der liebste Gegenstand in Ihrer Küche?

Frau Gaby Fromm: Meine Kochmesser.

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